Aktuelles

Neues Beratungsangebot für Paare bei Krebs

QUELLE: FOTOLIA

Zusammen ist man weniger allein! Das trifft auch auf die Extremsituation zu, wenn innerhalb einer Beziehung ein Partner an Krebs erkrankt. Der nicht erkrankte Partner gibt Halt, teilt die Sorgen und übernimmt nicht selten viele Alltagsaufgaben. Eine stabile Beziehung kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Aber was ist, wenn nicht alles glatt läuft und die Beziehung aus dem Gleichgewicht gerät? In dieser Situation kann es hilfreich sein, das Problem offen anzugehen und auch fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine solche Unterstützung bietet nun ein gemeinsames Projekt des Universitätstumorzentrums Düsseldorf (UTZ) und der Krebsgesellschaft NRW. Im Rahmen einer Studie können Partner bzw. Paare ein speziell auf sie zugeschnittenes Beratungsangebot in Anspruch nehmen.

Die Beratungen werden von einer Psychoonkologin geleitet und sind vertraulich und kostenfrei.Ziel des neuen Beratungsangebots ist eine Verbesserung der partnerschaftlichen Unterstützung bei Krebs. Dabei rückt der nicht erkrankte Partner vermehrt in den Fokus. „Es zeigt sich, dass Angehörige oftmals genauso stark belastet sind, wie die Erkrankten selbst. Dennoch stellen diese ihre Sorgen und Bedürfnisse meist gänzlich in den Hintergrund. Das ist eine normale Reaktion und kann auch erstmal funktionieren“, berichtet die Psychoonkologin Anna Arning, die das Projekt von Seiten der Krebsgesellschaft NRW betreut. „Wenn die Belastung jedoch zu groß wird, können die körperlichen, psychischen, sozialen oder auch wirtschaftlichen Folgen sehr massiv sein. Viele Paare zerbrechen dann daran. Dem wollen wir vorbeugen“, so Arning.Die Beratungsgespräche im Rahmen des Projekts werden entweder mit dem nicht erkrankten Partner allein oder mit dem Paar geführt. „Unser Ziel ist es, die Paare bei der Krankheitsbewältigung aktiv zu unterstützen, die Kommunikation in der Beziehung zu verbessern und die Lebensqualität wieder zu steigern“, erklärt André Karger, Oberarzt am Klinischen Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Leiter des Bereichs Psychoonkologie am UTZ. „Um dies zu erreichen, wollen wir erst einmal dazu motivieren, die Belastungen offen auszusprechen. Bereits hier herrscht in vielen Beziehungen bewusstes Schweigen oder die Partner sind einfach hilflos im Umgang miteinander angesichts der Schwere der Erkrankung“, so Karger.

Das neue Angebot soll den Düsseldorfer Bürgern unmittelbar und praktisch orientiert zu Gute kommen, es soll aber auch die Wissenschaft voranbringen. In Form einer Studie angelegt, sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, inwiefern eine frühzeitige psychoonkologische Unterstützung Einfluss auf die Stabilität der Paarbeziehung und die gemeinsame Bewältigung der Krebserkrankung hat. Untersucht wird auch, inwiefern sich paarbezogenen Beratungen von Einzelberatungen des nicht erkrankten Partners im Ergebnis unterscheiden. Paare, die sich gegen eine Teilnahme an der Studie entscheiden, sich dennoch beraten lassen möchten, können das bestehende psychosoziale Beratungsangebot der Psychoonkologischen Ambulanz am Universitätstumorzentrum oder der Krebsberatung Düsseldorf in Anspruch nehmen.

Kontakt & Anmeldung zur Beratung
Universitätstumorzentrum Düsseldorf
Klinisches Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Bozena Sowa, Psychoonkologin
Tel. 02 11 81 / 08 296
GemeinsamStarkSein@med.uni-duesseldorf.de

Die Beratungen finden statt in der Krebsberatung Düsseldorf
Fleher Straße 1
40223 Düsseldorf (Bilk)
Tel. 02 11 / 30 20 17-57
www.krebsberatungduesseldorf.de
info@krebsberatungduesseldorf.de

Masterplan-Untersuchung zur "Therapie des kolorektalen Karzinoms in zertifizierten Darmkrebszentren"

QUELLE: FOTOLIA

Die Ergebnisse einer Untersuchung mit dem Arbeitstitel „Datenabfrage ColonCA - Vergleich Zentren-Nicht-Zentren“, die noch im Rahmen des Masterplans II unter der Ägide von Prof. Dr. Heribert Jürgens durchgeführt wurde, konnte nun im Magazin der „Der Onkologe“ (12/2106) publiziert werden. Zum Inhalt: In 2014 wurden in NRW 41 Prozent aller Darmkrebspatienten in zertifizierten Zentren behandelt – mit steigender Tendenz. Zwar gibt es hinsichtlich der Therapieergebnisse eine positive Entwicklung bei Surrogatparametern in zertifizierten Darmkrebszentren, unklar blieb bisher jedoch der Einfluss einer Zentrumszertifizierung auf das Gesamtüberleben. Es wurde eine nichtinterventionelle retrospektive Beobachtungsstudie exemplarisch mit Routinedaten der Krankenkasse AOK Nordwest durchgeführt, die um Daten des Epidemiologischen Krebsregisters NRW ergänzt wurden. Hinsichtlich des Gesamtüberlebens konnte mit der beschriebenen Methodik beim Vergleich von zertifizierten gegen nichtzertifizierte Zentren kein signifikanter Unterschied gezeigt werden.

Der Onkologe, DOI 10.1007/s00761-016-0126-1

Qualitätsverbund Krebsberatung NRW legt ersten Bericht vor

© KREBSGESELLSCHAFT NRW

Kompetenz, Qualität und Transparenz sind Voraussetzung für die Beratung von Krebserkrankten. Patienten und Angehörige wollen sicher sein, dass sie nach neuesten wissenschaftlichen Standards beraten und begleitet werden. Diese Aufgabeü bernehmen in NRW im ambulanten Bereich derzeit 23 Krebsberatungsstellen in unterschiedlicher Trägerschaft. Die Beratungsstellen gelten mittlerweile als unverzichtbarer Bestanteil der onkologischen Versorgung. Doch wie wird die Qualität der geleisteten Arbeit sichtbar?
Dieser Frage stellt sich der im Jahr 2015 gegründete „Qualitätsverbund Krebsberatung NRW“ – ein Zusammenschluss von derzeit sieben ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen unter Federführung der Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V. in Kooperation mit dem „Bereich Forschung und Entwicklung“ im „Verein Lebenswert“, am Centrum für Integrierte Onkologie an der Universitätsklinik Köln. Der Verbund sieht sich im Dienste an Krebs erkrankter Menschen und deren Angehöriger, welche in ambulanten Krebsberatungsstellen qualifizierte Beratung, Hilfe und Unterstützung suchen. Ziel des Verbundes ist es, anerkannte oder noch zu entwickelnde Qualitätskriterien im Sinne des Nationalen Krebsplans und in Orientierung an der aktuellen S3- Leitlinie zur „Psychoonkologischen Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten“ in allen beteiligten Einrichtungen umzusetzen. Der Verbund folgt dabei den Grundsätzen der „Partizipativen Qualitätsentwicklung“, wobei insbesondere die beratenden Fachkräfte mit ihren Kenntnissen der jeweiligen Strukturen und Arbeitsabläufe eine zentrale Rolle spielen. Kernstück der Qualitätssicherung ist ein elektronisches Dokumentationssystem1, das durch eine einheitliche Leistungsdokumentation die Grundlage für die Versorgungsevaluation bildet. Weiterhin stellt ein gemeinsam (kontinuierlich weiter-) entwickeltes Konzept der psychosozialen Krebsberatung den Hintergrund für die Umsetzung dar2.

Der nun erste einrichtungsübergreifende Bericht des „Qualitätsverbundes“ enthält ausgewählte Kennzahlen der Beratungstätigkeit aus dem Jahr 20153. Er setzt sich zusammen aus Daten der Leistungsdokumentation von sechs von insgesamt sieben beteiligten Krebsberatungsstellen im Zeitraum vom 01.01.2015 bis 31.12.2015. Dabei handelt es sich ausnahmslos um kumulative Werte, die keinerlei Rückschlüsse auf einzelne Personen oder eine einzelne Einrichtung zulassen.

Insgesamt wurden im Jahr 2015 in sechs der sieben beteiligten KBS rund 3800 Ratsuchende versorgt. Der Bericht stellt (soziodemographische) Merkmale der Klienten sowie Leistungen, die für die Ratsuchenden in den Krebsberatungsstellen erbracht wurden, dar. So zeigt sich anhand von rund 7000 durchgeführten Beratungen beispielsweise, dass persönliche Gespräche vor Ort die bevorzugte Art der Beratung darstellen. 70 Prozent der Ratsuchenden suchten das persönliche Gegenüber. Telefonate machten etwa 20 Prozent aller Beratungen aus, schriftliche Kommunikationsformen wurden nur im geringem Maß in genutzt.

Alle im Qualitätsverbund zusammengeschlossenen Krebsberatungsstellen dokumentieren ihre Beratungsleistungen mit ausdrücklichem Einverständnis der jeweiligen Ratsuchenden. Die Kennzahlen dienen vorrangig Zwecken der Qualitätssicherung und der Qualitätsentwicklung. Zugleich aber macht der Bericht die psychosoziale Krebsberatung für die Öffentlichkeit transparent, nachvollziehbar und vergleichbar.

Der Qualitätsverbund will gemeinsam mit anderen Akteuren des Landes NRW auch künftig die Qualität der ambulanten psychosozialen Krebsberatung in NRW gewährleisten und in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess weiterentwickeln.

Krebsgesellschaft NRW, 13.10.2016